Platons Staatsmodell
Platon: Sokrates und Thrasymachos über Staat und Gerechtigkeit
Dass Sokrates einer der eifrigsten Verfechter der Athener Demokratie ist, zeigt ein von Platon überlieferter Dialog über die Gerechtigkeit. Darin behauptet der Sophist Thrasymachos, das Gerechte sei das dem Stärkeren Zuträgliche. Gleichzeitig, so behauptet er, sei es gerecht, dass die Schwächeren - in einem Staatswesen also die Regierten - den Regierenden Gehorsam leisteten. Sokrates stellt eine scheinbar harmlose Gegenfrage: Könnten sich denn die Stärkeren, die Regierenden auch irren? Natürlich, antwortet Thrasymachos - und gibt Sokrates damit die Möglichkeit, seine ganze Argumentation aus den Angeln zu heben.
Denn wenn sich die Regierenden irren könnten, so fährt Sokrates fort, dann müsse es den Regierten doch auch erlaubt sein, sich gegen Fehlentscheidungen zu wehren. Ansonsten müssten ja die Regierten, also die Schwächeren, etwas tun, das den Stärkeren in Wahrheit abträglich ist. Thrasymachos beginnt an seiner These zu zweifeln. Also holt Sokrates zu einem weiteren Argument aus: Sei man wirklich von seiner Sache überzeugt, so wolle man nicht nur das eigene Beste, sondern vor allem das Beste des Gegenübers - so etwa im Falle des Arztes, der den Nutzen des Kranken und nicht den Eigennutz im Sinn habe.
Dem muss Thrasymachos zustimmen, und so kann Sokrates per Analogieschluss behaupten: Wie ein guter Arzt handle ein gerechter Regierender nicht im eigenen Interesse - also gewissermaßen nach dem Recht des Stärkeren -, sondern im Interesse der Regierten. Damit ist Thrasymachos' These, die Gerechtigkeit sei allein das dem Stärkeren Zuträgliche, widerlegt. Allerdings muss Sokrates am Ende zugeben, dass er trotz des langen Gesprächs noch immer nicht wisse, was denn nun eigentlich das Wesen der Gerechtigkeit ausmache.


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