Merkblatt 1: Wie lese ich einen Text?
1.
Was sagt die Überschrift über den Inhalt des Textes aus?
Es klingt banal, ist es aber nicht: Als erstes sollte man bei einem Text die Überschrift lesen und sich fragen:
Was sagt die Überschrift schon über den Inhalt des Textes aus? Es ist klar: Manche Überschriften sind aussagekräftiger als andere!
2.
Den Text als Ganzen wahrnehmen:
Schau dir den Text einfach
mal als Ganzes an.
· Ist er gegliedert? Vielleicht sogar recht deutlich
durch Aufzählungszeichen?
·
Sinnvoll kann es bei diesem Schritt
dann auch sein, den Text als Ganzes
zu überfliegen. Das heißt, lies ihn locker
durch (hier muss man noch nicht jeden Satz verstehen)
und frage dich: Worum geht es wahrscheinlich in diesem Text? Welche Fragen wird er beantworten?
3.
Den Text gründlich lesen:
Bei diesem Schritt
kommt es auf die
„Arbeit“ am Text an.
·
Lies den Text gründlich: Satz für Satz.
·
Markiere wichtige Stellen des Textes. Beispiel:
i. Zentrale Worte kannst du umkreisen.
ii.
Wichtige Wörter/Sätze unterstreichen. Beschränke dich dabei auf das Wesentliche. Niemals
ganze Abschnitte!
iii. Begriffe, die dir nicht klar sind, am Rande mit der Abkürzung
„Lex“ versehen: Hier musst du dir weitere Informationen besorgen (Lexikon, Internet, Mitschüler, etc.).
iv.
Mit einem Ausrufezeichen kannst du im Text die Inhalte markieren, die du richtig und wichtig findest!
v.
Mit einem Fragezeichen, die Inhalte des Textes,
die dir unklar (fraglich) geblieben sind!
vi. Mit einem Blitz markiere die Inhalte, denen du widersprichst!
vii.
Mit Pfeilen kannst du Bezüge im Text deutlich machen: z.B. ó Widerspruch, => Schluss
viii.
Wenn du den Text auf bestimmte
Aspekte hin untersuchst, kann es sinnvoll sein, eine bestimmte Farbe für diesen Aspekt
auszuwählen.
·
Gliedere den Text
i. Sinnabschnitte kannst du durch waagerechte Striche markieren!
ii. Bei der Gliederung eines Textes helfen dir die Konjunktionen und Schlüsselwörter (siehe nächste Seite) weiter!
·
Schreibe die Hauptthesen der einzelnen
Abschnitte heraus. Sinnvoll ist es auch festzuhalten, wie diese Hauptthesen begründet werden (Argumente / Beispiele). Unterscheide dabei nach Möglichkeit zwischen fachlichem Inhalt (z.B. „Veränderung von Wachs bei Erwärmung“) und
Intention des Autors (z.B.
„Einleitung in die Problematik durch ein Beispiel“).
·
Fertige ein Strukturdiagramm zum Text an.
4.
Den Text einordnen und
beurteilen:
- Gibt es Bezüge zu anderen Texten / Positionen, die du kennst?
- Wie passt die These in die Zeit, in der der Autor gelebt hat? Wie passt er in unsere Zeit?
- Lässt sich die These des Autors auf andere Bereiche übertragen?
- Findest du eigene Beispiele, die die These des Autors stützen oder widerlegen?
- Setzt der Autor stillschweigend etwas voraus? Gibt es zu dem Thema des Textes einen wichtigen Aspekt, den der Autor nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt?
- Was für Konsequenzen ergeben sich aus der These des Autors?
Typische Wörter und Ausdrücke, die auf Sprechakte hinweisen können
Einschränkung: aber, nur, obwohl, …
Bekräftigung, zusätzliches Argument: außerdem, auch, darüber
hinaus, … Zusammenfassung: zusammenfassend, alles in allem,
insgesamt, … Schlussfolgerung: deshalb, aus diesem Grund,
wodurch deutlich
wird, … Aufzählung, Gliederung: erstens / zweitens, zum einen, zuerst,
einmal, …
Konjunktionen, die auf Intentionen und Zusammenhänge hinweisen können
Kausalsatz (Grund) weil, da, zumal
Konsekutivsatz(Folge) dass, so dass
Finalsatz (Zweck,
Absicht) dass, damit, auf dass
Adversativsatz
(Gegensatz) anstatt dass, während,
aber Konditionalsatz (Bedingung) wenn, falls, sofern
Konzessivsatz (Einräumung) obwohl, obgleich, wenngleich, obschon Modalsatz (Art und Weise) dadurch, dass, indem
Merkblatt 2: Wie schreibe ich eine philosophische Textanalyse?
1. Einleitungssatz:
Zu Beginn der Analyse formuliert man einen einleitenden Satz, in dem der Autor, die Überschrift, gegebenenfalls das Veröffentlichungsjahr und die zentrale
These (das Grundproblem) benannt
werden.
Offene Formulierungen
und Andeutungen sind hier ebenso fehl am Platz wie Wertungen! Beispiel für einen Einleitungssatz: „In dem Text „Prinzipien der Philosophie“ von René Descartes, zuerst veröffentlicht
1644, stellt der Autor die Frage nach der Gewissheit menschlicher Erkenntnis.“
2. Hauptteil:
Der Hauptteil beginnt
mit der Vorwegnahme des im Text erreichten
Problemlösungsvor- schlags.
Daran anschließend erfolgt die Rekonstruktion des Argumentationsgangs:
●
Ausweis der Denkschritte in ihrer Abfolge
bzw. Struktur
●
Kennzeichnung der Funktion
(Sprechakte; Intention des Autors)
●
Erläuterung von Schlüsselbegriffen
Dabei ist insbesondere auf folgende
Aspekte zu achten:
Eine rein paraphrasierende Wiedergabe von Inhalten ist zu vermeiden. Die Formulierun- gen sollten Strukturen und Intentionen klar darstellen. Dabei hilft die Berücksichtigung der Sprechakte. Die Liste der „Schreibhilfen“
(vgl. Kopie „Sehhilfen“/„Schreibhilfen) kann hier hilfreich sein, um die nichtssagende Phrase
„Der Autor sagt…“
zu vermeiden.
Die Textwiedergabe geschieht in der Regel im Konjunktiv I, weil man ja eine fremde Posi- tion wiedergibt. Nach Formulierungen, wie „Der Autor stellt
in seinem Text klar heraus,
dass…“ folgt der Indikativ. Das Wort „dass“ zeigt ja schon, dass man eine fremde Position wiedergibt.
Möglich ist auch die direkte
Wiedergabe von Teilen des Textes in Anführungszeichen und mit Zeilenangabe.
Alle Interpretationen müssen ausreichend mit Zitaten belegt werden. Zitate müssen durch Anführungsstriche gekennzeichnet und mit Zeilenangaben versehen werden.
Die eigene
Meinung zu einem Problem
hat in der Textanalyse nichts verloren.
Der Aufbau von Spannung ist zu vermeiden; die Darstellung sollte
sachlich, präzise und neutral sein.

Verben, mit denen man die Sprechakte in der Erörterung / Analyse benennt
Verben, die für eine Gesprächssituation kennzeichnend sind:
sagen, behaupten, feststellen, eine These aufstellen, vermuten, fragen, hinterfragen, antworten, entgegnen, widersprechen, einwenden, verneinen, widerlegen, bestreiten, bezweifeln, ablehnen, bejahen, zustimmen, zugeben,…
Verben, die Beziehungen innerhalb eines Textes oder zu anderen Texten be- zeichnen:
zitieren, wiedergeben, belegen, verweisen, referieren, paraphrasieren (umschreiben),
erläutern, interpretieren, wiederholen, zusammenfassen, präzisieren, …
Operationen, die typisch für wissenschaftliche Texte sind:
definieren, bezeichnen, benennen,
neben-, unter-, überordnen, spezifizieren, abstrahie- ren, generalisieren (verallgemeinern), konkretisieren, exemplifizieren (am Beispiel
dar- stellen), vergleichen, analysieren, schließen, folgern, ableiten,
begründen, beweisen, rechtfertigen, argumentieren, beurteilen, verifizieren (als wahr herausstellen), falsifizie- ren (als falsch herausstellen),…
These
|
behaupten, unterstellen, feststellen, verdeutlichen, die These vertreten
|
Argument
|
begründen, belegen, argumentieren, beweisen, verdeutlichen, postulieren
|
Beispiel
|
belegen, beweisen, verdeutlichen, erläutern, zeigen
|
Schluss
|
folgern, entnehmen, daraus schließen
|
Kritik
|
kritisieren, einwenden, dagegen halten, beanstanden, urteilen, vergleichen, abwägen, bemängeln, einwenden, hervorheben, abweisen, einräumen, zugeben
|
Forderung
|
fordern, durchsetzen, vorschlagen, verlangen, erwarten, wollen
|
Merkblatt 3: Wie vergleiche ich zwei philosophische Positionen?
1. Beide Positionen werden in ihren Grundzügen dargestellt.
Auf diese Darstellung der Positionen kann nur dann verzichtet werden, wenn die Aufgabenstellung das ausdrücklich gestattet oder wenn die Darstellung zuvor (in einem früheren Aufgabenteil) schon geschehen ist. Beim Schreiben sollte man davon
ausgehen, dass ein potentieller Leser die zugrundeliegenden
Texte nicht kennt, und deshalb
über die wesentlichen Punkte informiert werden muss.
2. Die Positionen werden gegebenenfalls historisch oder theoretisch eingeordnet.
Dies geht natürlich
nur, wenn entsprechende Informationen aus dem Text hervorgehen oder aus dem Unterricht bekannt sind. Dabei kann die zeitliche Abfolge interessant sein, wichtige Ereignisse aus der Entstehungszeit der Texte, die die Autoren beeinflusst haben könnten, oder philosophische Theorien, in deren Kontext man den vorliegenden Textauszug einordnen
kann (beispielsweise „Utilitarismus“ oder „Evolutionäre Erkenntnistheorie“).
3. Verbindende und/oder trennende Elemente
werden pointiert gegenübergestellt.
Im Gegensatz zur allgemeinen
Darstellung am Anfang ist hier eine Zuspitzung zu leisten. Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind auf den Punkt zu bringen.
Für den Vergleich irrelevante Aspekte werden ignoriert.
Man kann darüber hinaus
untersuchen, ob die eine Position eine Erweiterung der anderen ist, über sie hinausgeht oder hinter sie zurückfällt, ob eine von beiden einzelne
Elemente der anderen aufgreift und vertieft,
ob sie auf ähnlichen oder unterschiedlichen (eventuell ungenannten) philosophischen Voraussetzungen aufbauen,
usw.
Auch hier sollte man auf eine strukturierte Darstellung mit aussagekräftigen Verben und Konjunktionen achten!
Eine Bewertung findet nicht statt.
Die eigene Meinung
ist aus dem Vergleich herauszuhalten.
Merkblatt 4: Wie schreibe ich eine Stellungnahme / Kritik?
Hinweis: „Kritik“
bedeutet in der philosophischen Fachsprache immer eine „unterscheidende Wertung“ – damit ist niemals nur das umgangssprachliche „kritisieren“ als „alles Schlechte nennen“ gemeint. Es geht um eine möglichst differenzierte, vielseitige Bewertung der vorliegenden Position.
1. Die Position wird in ihren Grundzügen dargestellt.
Auf diese Darstellung der Position
kann nur dann verzichtet werden, wenn die Aufgabenstellung das ausdrücklich gestattet oder wenn die Darstellung zuvor (in einem früheren Aufgabenteil) schon geschehen ist.
2. Die Tragfähigkeit der Position wird untersucht.
Die Erörterung sollte sinnvoll
strukturiert sein, die
Gedankengänge schlüssig
aufeinander folgen. Rein aneinanderreihende Aufzählungen von Einzelpunkten sind möglichst zu vermeiden.
Folgende Fragen können helfen, relevante Aspekte für die eigene Stellungnahme zu finden. Sie sind ausdrücklich nicht als komplett abzuarbeitende Liste, sondern
lediglich als Anregung gedacht:
Ist die Problemlösung realistisch anwendbar? Ist ihre Anwendung in der Realität wirklich hilfreich (oder wirft
sie gar neue Probleme
auf)? Welche Folgen resultieren aus dem Lösungsvorschlag und wie sind diese zu bewerten?
Hat der Autor alle relevanten Aspekte
des Problems (angemessen) berücksichtigt?
Gibt es Beispiele,
mit deren Hilfe man die Position des Autors stützen
oder widerlegen kann? Gibt es historische oder aktuelle Bezüge, die bei der Bewertung
der Tragfähigkeit berücksichtigt werden können?
Hat die Problemlösung des Autors
gegenüber anderen
bekannten Ansätzen
Vor- und/oder Nachteile? Sind andere Positionen bekannt, auf deren Autorität man sich berufen kann, um die Thesen
des Autors zu stützen
oder zu widerlegen?
Basiert die Problemlösung auf sinnvollen oder auf problematischen Annahmen und Voraussetzungen? Welche Voraussetzungen müssten in unserer Gesellschaft eventuell zuerst geschaffen werden, um die Problemlösung umsetzen zu können?
Gibt es in der Argumentation des Autors Brüche (Fehlschlüsse, Lücken, Ungereimtheiten) oder ist sein Gedankengang in sich stimmig und nachvollziehbar?
Hilft ein anderer
Blickwinkel (Alter,
Geschlecht, historische Epoche, Kultur)
bei der Beurteilung?
Persönliche Wertungen sind hier ausdrücklich erwünscht. Man muss deutlich
Stellung beziehen und klar Zustimmung oder Ablehnung zu den einzelnen Aspekten der unter- suchten Position zum Ausdruck bringen.
Alle Wertungen müssen begründet
erfolgen.
3. Ein Fazit wird formuliert.
Basierend auf den ausgewählten Aspekten der Erörterung wird ein abschließendes Fazit formuliert: Ist die Position des Autors tragfähig, mit Einschränkungen tragfähig oder als Ganzes abzulehnen?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen