Matrix und die Höhlengleichnis
Doch Neo ist gezwungen, die schmerzvolle Wahrheit zu sehen, als er aus der virtuellen Realität der Matrix befreit wird. Er entdeckt, dass alles, was ihm seit seiner Geburt vorgelegt wurde, lediglich aus Reflektionen oder schwachen Abbildern der Wirklichkeit.
Sonnen-, Linien- und Höhlengleichnis
Das erste der drei bekanntesten Gleichnisse Platons aus seinem Werk Politeia ist das Sonnengleichnis (Platon, Politeia 508a-509d). Platon beschreibt dort den Stellenwert des Guten und legt damit den Grundstein für eine Metaphysik des Absoluten, die mit der Ideenlehre weiter ausgebaut wird. Am Ende des sechsten Buches der Politeia folgt dem Sonnengleichnis das Liniengleichnis, welches in das Höhlengleichnis am Anfang des siebten Buches mündet. Die Gleichnisse bauen aufeinander auf.Gruppenarbeit 1
Höhlengleichnis

Das Gleichnis beginnt mit der Beschreibung einer dunklen Höhle, in der eine Gruppe von Menschen Seite an Seite mit dem Rücken zum Eingang sitzt. Sie sind seit ihrer Geburt mit Ketten an ihre Stühle gefesselt, und alles, was sie sehen können, ist die ferne Höhlenwand vor ihrem Angesicht. Ihre Welt besteht lediglich aus diesem beschränkten Sichtwinkel, welcher nur ein armseliges Abbild der Realität darstellt.
Neben den angeketteten Menschen gibt es noch weitere Personen in diesem Szenario, nämlich die sogenannten Puppenspieler. Ihre Aufgabe ist es, die Gefesselten zu unterhalten. Den Puppenspielern ist aber ebenso wenig bewusst, dass sie in der Höhle gefangen sind, da sie nichts anderes als diese Form des Daseins kennen. Die Puppenspieler stehen hinter den Gefangenen und halten verschiedene Gegenstände hoch, welche im Schein eines Feuers, das am Eingang der Höhle brennt, verschwommene und tanzende Schatten an die Wand vor ihnen werfen.
Leider können die Höhlenbewohner nicht die wahre Form der Gegenstände oder der Puppenspieler sehen, da sie unfähig sind ihre Köpfe zu wenden. Seit der Kindheit sind ihre Körper starr auf das fixiert, was vor ihnen zu sehen ist. Doch diese Wirklichkeit ist nichts anderes als ein Haufen schattenhafter Bilder.
Die Menschen gleichen in Höhlen geketteten Wesen, die von der wirklichen Welt nichts sehen können. Sie halten Schatten von künstlichen Gegenständen, die eine Lichtquelle an die Höhlenwand malt, für die Wirklichkeit.
Die Anamnesis gleicht nun dem Vorgang, daß einer dieser Unglücklichen ans Tageslicht geführt wird und dort die natürl. Gegenstände und die Sonne sieht, wie sie wirklich sind. Die Schatten und die Gegenstände in der Höhle entsprechen dabei der sinnlichen Erfahrung, die Welt außerhalb der Region des Intelligiblen, d. h. des Vernünftig-Einsehbaren.
Die Stufen des Aufstiegs korrelieren mit den Bereichen des Liniengleichnisses.
Gruppenarbeit 2
Liniengleichnis

Das Liniengleichnis beschreibt die Strukturen unserer
sichtbaren Welt in Verbindung mit einer denkbaren Welt, in der ähnliche
Strukturen aufgezeigt werden. Sokrates bildet die beiden Welten auf eine
ungleich geteilte Linie ab, wobei der erste Teil dieser Linie den sichtbaren
Bereich symbolisiert, während der Zweite die denkbare oder erkennbare Welt
veranschaulicht. Diese beiden Linienteile werden jeweils nochmal in zwei
Abschnitte unterteilt.
Die beiden Abschnitte, die unsere sichtbare Welt beschreiben,
sind relativ einfach zuzuordnen: Der erste Abschnitt symbolisiert alle Abbilder
von den konkreten Dingen unserer sichtbaren Welt — also z.B. die Schatten oder
Spiegelbilder, während der zweite Abschnitt für diese Dinge selbst steht.
Diesen verschiedenen Seinsstufen, die sich durch einen unterschiedlichen Anteil
der Dinge an der Wahrheit ergeben, ordnet Sokrates entsprechende
Erkenntnisstufen zu.
Die Schatten und Spiegelbilder sind dabei am weitesten von
der Wahrheit entfernt und zeichnen sich daher durch die geringste Seinsstufe
aus. Um sie zu sehen, genügt dementsprechend die geringste der möglichen
Erkenntnisstufen, die nach Platon als bloßes Vermuten bezeichnet wird. Die
Gegenstände selbst haben einen deutlich höheren Anteil an der Wahrheit, die dazugehörige
Erkenntnisstufe bezeichnet Platon als Meinen oder für Wahr halten. Deutlich
abstrakter wird die Beschreibung und Interpretation des zweiten Linienteils im
Hinblick auf die Seins– und Erkenntnisstufen, die sich am leichtesten anhand
des Beispiels einer Kugel nachvollziehen lassen. Die Mathematik ist eine
Disziplin, die in den ersten Abschnitt des zweiten Linienteils vordringt und
damit im Bereich der denkbaren oder erkennbaren Welt liegt. So untersucht die
Mathematik im Bezug auf das Beispiel der Kugel nicht irgendeine beliebige Kugel
der sichtbaren Welt, sondern das Ziel dieser Disziplin liegt vielmehr in dem
Erforschen — dem Erkennen der Kugel an sich.
Dieses Ziel ist mit folgender
Beschreibung von der abstrakten Kugel — der Idee der Kugel erreicht: Eine Kugel
ist eine Form, in der alle Punkte den gleichen Abstand von der Mitte aufweisen.
Die Idee der Kugel kann damit unmöglich mit den Augen, sondern ausschließlich
mit dem Verstand wahrgenommen werden und liegt somit nicht im Bereich der
sichtbaren, sondern im Bereich der denkbaren Welt. Dementsprechend setzt das
Erkennen der Idee der Kugel eine deutlich höhere Erkenntnisstufe voraus, die
von Platon als Nachdenken bezeichnet wird. Allerdings baut die Idee der Kugel
auf gleichen Abständen von dem Mittelpunkt auf, benutzt also Erfahrungen aus
dem sichtbaren Bereich als Voraussetzung, um zu dem abstrakten Bild der Kugel
zu gelangen. Diese Verbindung zur sichtbaren Welt verhindert genauso wie das
limitierte Forschungsziel, das nur in dem Erkennen einer speziellen Idee liegt,
dass die Mathematik zu der höchsten Seinsstufe vordringt.
Nach Platon kann nur
durch die Methode der Philosophie (Dialektik) die höchste Seinsform erkannt
werden. Dabei benutzt die Dialektik im Unterschied zur Mathematik keine
Voraussetzungen aus der sichtbaren Welt, sondern schreitet vielmehr von
speziellen Ideen zu abstrakten Ideen (Induktion). Dieser Prozess wird solange
durchlaufen, bis die abstrakteste Idee an der Spitze dieser Ideenpyramide
erreicht ist. Für diese Idee gibt es also keine weiteren Voraussetzungen mehr,
die durch das Fortschreiten erkannt werden könnte. Die Idee ist somit voraussetzungslos,
aber gleichzeitig die Voraussetzung für alle anderen spezielleren Ideen. Hat
die Philosophie die voraussetzungslose Idee erreicht, so vollführt sie den
umgekehrten Weg der Mathematik und geht nicht von Voraussetzungen zu Höherem,
sondern leitet von dem Höchsten (dem Voraussetzungslosen) alles Speziellere ab
(Deduktion). Um diese höchste Form des Seins zu erkennen, ist eine noch höhere
Erkenntnisstufe, wie das bloße Nachdenken erforderlich, die Platon als das
wahrhaftige Erkennen bezeichnet.
Gruppen 3
Sonnengleichnis
Das Sonnengleichnis, das im sechsten Buch der Politeia
unmittelbar vor dem Liniengleichnis vorgestellt wird, beantwortet die Frage
nach dem Guten.
Zusammenfassend lässt sich das Gute nach diesem Gleichnis als
das Voraussetzungslose beschreiben, das selbst Voraussetzung für die Existenz
und Wahrnehmung von allem anderen ist.
Im Bereich des sichtbaren lässt sich die
Sonne leicht als das Gute identifizieren, da sie Wachstum, Nahrung und damit
Existenz überhaupt ermöglicht. Außerdem ist die Sonne die Ursache von Licht und
ermöglicht damit auch das Sehen — das Wahrnehmen von allem Sichtbaren.
Das
Sonnengleichnis, das die Idee des Guten als Pendant zur Sonne für den denkbaren
Bereich beschreibt, ergibt in Kombination mit dem Liniengleichnis, dass die
Idee des Guten an der voraussetzungslosen Spitze der Ideenpyramide steht, aus
der sich alle spezielleren Ideen ableiten. Letztendlich ist damit die Idee des
Guten genauso wie die Sonne für den sichtbaren Bereich voraussetzungslos und
Ursprung der Existenz. Vervollständigt man dieses Gleichnis, so entsteht aus
der Idee des Guten die Wahrheit, genauso wie aus der Sonne das Licht, mit der
die spezielleren Ideen beleuchtet und erkannt werden können. Damit hat sich die
Idee des Guten auch als Grund für die Wahrnehmung im denkbaren Bereich entpuppt
(siehe Abbildung).


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